Festool MB 40 Bohrständer – Zubehör und Kopierringe

Seit rund einem Jahr gibt es von Festool den mobilen Bohrvorsatz MB 40. Dabei handelt es sich um eine gelungene Ergänzung für Festool-Akkuschrauber mit FastFix-Schnittstelle. Zusammen ermöglichen diese präzises und sauberes, handgeführtes Bohren – ganz nach dem Motto: mit dem Werkzeug zum Werkstück und nicht umgekehrt.

Für den Bohrständer bietet Festool bereits einiges an Zubehör an. Dieses Sortiment wird zusätzlich durch Druckdateien erweitert, die sich selbst mit einem 3D-Drucker herstellen lassen. In diesem Beitrag stelle ich die Funktionen vor und zeige außerdem selbst gebaute Vorrichtungen.

Inhaltsverzeichnis:

Festool MB 40 Mobieler Borvorsatz mit Zubehör

Übersicht mobiler Bohrvorsatz

FastFix

Bei herkömmlichen mobilen Bohrständern wird eine drehbare Welle in das Dreibackenfutter des Akkuschraubers eingespannt. Der große Vorteil des MB 40 gegenüber diesen Lösungen liegt darin, dass über die FastFix-Schnittstelle eine feste Verbindung zwischen Akkuschrauber und Bohrständer entsteht. Das erhöht die Arbeitssicherheit deutlich, insbesondere beim Einsatz größerer Bohrer in Verbindung mit dem Parallelanschlag.

Die benötigte FastFix-Schnittstelle nutzt Festool bereits seit Jahrzehnten. Alle aktuell angebotenen Festool-Akkuschrauber verfügen darüber. In den letzten Jahren hatten lediglich die kleinen Akkuschrauber CXS und TXS (ohne 12-Volt-Version) sowie die großen PDC-Modelle keine FastFix-Schnittstelle.

Festool MB 40 Mobiler Bohrvorsatz
Festool MB 40 FastFix Schnitstelle

Centrotec

Ein weiterer Unterschied zu herkömmlichen Modellen ist, dass kein Bohrfutter fest verbaut ist. Stattdessen gibt es einen Aufnahmedorn, auf den entweder ein Centrotec-Werkzeugfutter oder eines der verschiedenen erhältlichen Dreibackenfutter aufgesteckt werden kann. Beide gehören nicht zum Lieferumfang, sind jedoch bei jedem Festool-Akkuschrauber enthalten.

Centrotec wurde mit dem Ziel entwickelt, Baugröße und Gewicht zu reduzieren sowie einen schnellen und energieeffizienten Werkzeugwechsel zu ermöglichen. Das System bietet zudem ein umfangreiches Programm an Bohrwerkzeugen. Daher ist es absolut sinnvoll, Centrotec auch am MB 40 nutzen zu können. Alle anderen Bohrer lassen sich weiterhin problemlos mit dem Dreibackenfutter verwenden.

Festool MB 40 Centrotec Futter mit 5mm Bohrer
Festool MB 40 mit Dreibackenfutter und 5mm Bohrer

Grundplatte

Die Grundplatte verfügt an allen Seiten über Kerben, die die Position der Bohrung anzeigen. Damit der Bohrständer nach präzisem Positionieren nicht verrutscht, sind Gumminoppen in die Grundplatte eingearbeitet.

Festool MB 40 Grundplatte von unten

Absaugmöglichkeit

Der Absaugstutzen besitzt den Festool-typischen CLEANTEC-Bajonettverschluss. 27-mm-Schläuche lassen sich aufstecken und verriegeln. So können die beim Bohren entstehenden Späne direkt abgesaugt werden.

Wird der Akkuschrauber mit einem Bluetooth-fähigen Akku in Verbindung mit einem passenden Absaugmobil verwendet, schaltet sich der Sauger automatisch ein und wieder aus.

Festool MB 40 Cleantec Absaug stutzen

Tiefenanschlag

Der Bohrständer verfügt über einen Tiefenanschlag, mit dem sich Bohrungen bis zu einer maximalen Tiefe von 50 mm herstellen lassen. Die Einstellung funktioniert ähnlich wie bei einer Oberfräse: Der eingesetzte Bohrer wird auf das Werkstück abgesenkt und der Schlitten mit der oberen Schraube fixiert. Anschließend wird der Tiefenanschlag über eine Skala eingestellt und mit der unteren Schraube arretiert.

Nach dem Lösen der oberen Schraube lässt sich der Schlitten nur noch innerhalb eines Bereichs von etwa 50 mm bewegen. Dadurch wird der zurückzulegende Weg pro Bohrung minimiert.

Für tiefere Bohrungen mit Tiefenanschlag bietet Festool einen Stellring als 3D-Druckdatei an. Da dieser direkt auf den Führungsstangen geklemmt wird, sollte hierfür eine Messingschraube verwendet werden.

Festool MB 40 Tiefenanschlag

Parallelanschlag

Um Bohrungen in einem definierten und wiederholgenauen Abstand zu einer Kante auszuführen, gibt es einen Parallelanschlag. Dieser ist einfach aufgebaut: Er besteht aus einem gekanteten Blech mit aufgesteckten Kunststoff-Gleitflächen.

Im Gegensatz zu den üblichen Festool-Parallelanschlägen, bei denen die Führungsstangen mit einer Schraube geklemmt werden, wird dieser Anschlag stirnseitig mit Schrauben befestigt. Dafür werden selbstverständlich andere Stangen benötigt. Der Anschlag besitzt zudem eine Aussparung, sodass auch Bohrungen über die Werkstückkante hinaus möglich sind.

In meinen Augen ist der Anschlag für den Bohrständer vollkommen ausreichend. Der Stangenabstand des MB 40 beträgt 98 mm – damit ist es mindestens der fünfte unterschiedliche Abstand, den ich von Festool kenne. Ich kann nicht nachvollziehen, warum hier kein bereits vorhandenes Maß wiederverwendet wurde. So hätte bestehendes Zubehör ebenfalls genutzt werden können. Vermutlich ging es genau um das Gegenteil: nämlich darum, dass sich das Zubehör des Bohrständers nicht auch an einer Festool-Oberfräse verwenden lässt.

Michael Hild zeigt auf seinem Blog wie er durch die Kombination zweier Stangenabstände den neuen Parallelanschlag der OF 1010 auf wenige Millimeter passend macht. Trotz der kleinen Abweichung lässt sich der Anschlag aufstecken.

Er geht sogar noch einen Schritt weiter und montiert anstelle der verstellbaren Gleitbacken eine Acrylglasplatte mit aufgeschraubtem Knaufgriff. Diese Konstruktion verwendet er auch als Ersatz für den Anschlag für Stirnseitenbohrungen von Festool, den ich im nächsten Abschnitt vorstelle.

Festool MB 40 Paralelanschlag

Anschlag für Stirnseitenbohrungen

Der von Festool erhältliche Anschlag für Stirnseitenbohrungen ist äußerst einfach aufgebaut. Er besteht aus einem abgekanteten Blech, das zur Erhöhung der Stabilität zwei Sicken aufweist. Zwei Bohrungen dienen zur Aufnahme der gleichen Befestigungsstangen, die auch beim Parallelanschlag verwendet werden.

Da der Anschlag keinen Versatz zur Mitte der Grundplatte erlaubt, muss der Schlitten, an dem der Akkuschrauber montiert ist, um 180° gedreht werden. Dies ist durch das Lösen von zwei Schrauben problemlos möglich. Festool empfiehlt in diesem Schritt auch, die Feder zu entfernen – zwingend erforderlich ist das jedoch nicht.

Die umgekehrte Montage des Schlittens hat allerdings zur Folge, dass man in den Absaugstutzen bohren würde. Um dies zu verhindern, muss dieser ersatzlos demontiert werden. Gerade bei Stirnlochbohrungen, bei denen unter Umständen große Mengen Späne anfallen (z. B. beim Einbohren von Tablarträgern), ist es sehr schade, auf die Absaugung verzichten zu müssen.

Bei Stirnseitenbohrungen an dünnen Materialien liegt der Bohrständer zudem nicht mit der Grundplatte auf, sondern lediglich mit den beiden Führungsstangen. Randnahes Arbeiten ist so nicht möglich, und ein Griff zum Andrücken des Anschlags fehlt ebenfalls komplett.

Festool hat diese Defizite erkannt. Im Rahmen der angebotenen 3D-Druckdateien stellt Festool einen alternativen Anschlag zum Download bereit, der die genannten Probleme beseitigt. Der Bohrständer kann ohne Umbau verwendet werden, ein Griff ermöglicht komfortables Handling und der Ansaugstutzen bleibt nutzbar – so sollte es sein.

In naher Zukunft soll es sogar Filament von Festool geben, sodass der Anschlag farblich passend gedruckt werden kann.

Festool MB 40 Horizontaler Anschlag (3D Druck Datei von Festool)

Da diese Lösung zum Zeitpunkt meines Kaufs noch nicht verfügbar war, habe ich mir selbst eine vergleichbare Vorrichtung aus Holz gebaut. Es ist also auch ohne 3D-Drucker möglich, einen gut nutzbaren Anschlag für Stirnseitenbohrungen herzustellen.

Festool MB 40 Horizontal Anschlag Holz selbstbau

Führungsschienenadapter

Der Führungsschienenadapter ermöglicht es, Bohrungen entlang einer Flucht auszuführen. Wie von Festool gewohnt, verfügt der Adapter über zwei Schrauben, mit denen sich das Spiel auf der Schiene einstellen lässt.

Mit dem eigentlich als Rückschlagstopp für die Tauchsäge gedachten Anschlag lassen sich zudem Positionen auf der Führungsschiene definieren. Perfekt wäre noch eine Möglichkeit, die Lochungen der Führungsschiene für das System 32 direkt zu nutzen – das würde jedoch vermutlich die im nächsten Abschnitt vorgestellte Lösung überflüssig machen.

Festool MB 40 auf der Führungsschine

Lochreihen System 32

Das System 32 ist der Standard im Möbelbau. Die Grundidee besteht aus Bohrungen im Abstand von 32 mm oder einem Vielfachen davon. Der MB 40 bietet hierfür eine passende Lösung.

Im Abstand von jeweils 32 mm zur Bohrermitte sind zwei Buchsen in die Grundplatte integriert. Beiliegende Stifte können dort eingeschraubt werden, um vorhandene Bohrungen abzugreifen. Die Stifte sind in 5 mm und 3 mm erhältlich – den gängigen Größen für Lochreihen.

Zur Aufbewahrung lässt sich einer der Stifte in die Unterseite des Schlittens einschrauben. Die Vorderkante der Grundplatte ist zudem 37 mm (Standardabstand für Lochreihen) von der Bohrachse entfernt, sodass sich der Anschlag schnell einstellen lässt.

Die Buchsen lassen sich parallel zur Anschlagskante nicht verschieben, rechtwinklig dazu jedoch um wenige Millimeter. Das ist wichtig, wenn die abgegriffene Bohrung nicht exakt im richtigen Abstand liegt. Andernfalls ließe sich der Stift nicht einsetzen oder der Anschlag nur schief anlegen.

So können mehrere Bohrungen hintereinander erstellt werden. Da sich von Bohrung zu Bohrung kleine Abweichungen summieren können, sollten jedoch keine allzu langen Lochreihen auf diese Weise gebohrt werden. In diesem Fall empfiehlt sich eine Schablone. Wie sich das mithilfe von Kopierringen umsetzen lässt, zeige ich im nächsten Abschnitt.

Festool MB 40 System 32 Pins
Festool MB 40 aufbewahrung Pin System 32
Festool MB 40 System 32 Anwendung

Kopierringe

Dem Bohrständer fehlt serienmäßig die Möglichkeit, Kopierringe aufzunehmen. Mit diesen lassen sich wiederholgenaue Bohrungen in definierten Abständen von einer Schablone übertragen.

Auch hierfür bietet Festool eine 3D-Druck-Lösung an. Die selbst gedruckten Kopierringe werden durch die Grundplatte gesteckt und mit den Schrauben fixiert, mit denen auch die Führungsstangen des Parallelanschlags geklemmt werden. Zum Zentrieren kann zusätzlich ein Zentrierdorn mitgedruckt werden.

Die Kopierringe sind in den Größen 30 mm und 25 mm erhältlich. Letzterer ist bei Oberfräsen unüblich. Sollen Schablonen sowohl mit dem Bohrständer als auch mit der Oberfräse verwendet werden, bleibt daher nur die 30-mm-Variante. Leider verdecken die Kopierringe die Absaugung vollständig und machen diese damit unbrauchbar.

Ich wollte stattdessen sogenannte Porter-Cable-Hülsen am Bohrständer verwenden und habe dafür eine Adapterplatte angefertigt. Die erste Version bestand aus einer eloxierten Aluminiumplatte, die ich auf die Größe der Grundplatte zugeschnitten und an den Ecken abgerundet habe. Nach dem Einbringen von Gewindebohrungen zur Befestigung unter dem Bohrständer habe ich die Schmalseiten lackiert.

Nach der Montage konnten die Bohrungsmittelmarkierungen übertragen und eingesägt werden, sodass sie gut sichtbar blieben. Anschließend habe ich an der Position des Bohrers eine 40-mm-Bohrung eingebracht, die ich mithilfe einer Schablone gefräst habe. In diese Bohrung wurde ein gedruckter Ring eingeklebt, in den die Kopierringe eingeschraubt werden können.

Festool MB 40 Adapterplate Kopierringe Alu

Eine zweite Version der Adapterplatte lässt sich vollständig drucken. Anstelle geschnittener Gewinde werden dabei nach dem Druck Muttern eingepresst. Beide Versionen werden über mit den Mittelmarkierungen der Grundplatte ausgerichtet und dadurch zentriert. 

Festool MB 40 3D Druck Adapter Platte für Kopierringe
Festool MB 40 Adapterplatte mit Koiperringen (3D Druck)
Festool MB 40 Kopierringe in 3D Druck Adapter Platte
Festool MB 40 mit montiertem Kopierring in 3D Druck Adapter Platte
Festool MB 40 mit Kopierring auf Schablone für System 32

Befestigen

Die Grundplatte verfügt über Bohrungen, um sie direkt auf einem Werkstück oder auf einer Schablone festzuschrauben. Durch das stufige Design werden jedoch unterschiedlich lange Schrauben benötigt: vorne sind 4×30 mm, hinten 4×35 mm ideal.

Da die Oberseite der Grundplatte nicht eben ist, lassen sich Zwingen nur schwer ansetzen. Die Stangen, an denen Parallelanschlag und weiteres Zubehör befestigt werden, haben einen Durchmesser von 8 mm. Sogenannte Tischklemmen – kleine Zwingen mit einem festen 8-mm-Rundstab – eignen sich hervorragend, um den Bohrständer sicher zu fixieren. Wären die Rundstäbe etwas länger, ließen sie sich sogar festklemmen.

Um den MB 40 auch abseits von Kanten rückstandsfrei befestigen zu können, habe ich zudem eine Vakuumplatte entwickelt. Voraussetzung ist eine glatte, geschlossene Unterlage. Die 12 mm dicke Platte wird im 3D-Drucker gefertigt. Eine Ø 4 mm Moosgummischnur dient als Dichtung. Eingelegte Muttern dienen zur Befestigung unter dem Bohrständer. 

Auf der Rückseite befindet sich eine Bohrung, in die ein M5-Gewinde geschnitten wird. Anschließend kann ein Schlauchverbinder eingeschraubt werden. In den 3D-Druck eingelegte Muttern dienen zur Befestigung. Für die Nutzung ist lediglich ein Vakuumerzeuger erforderlich.

Festool MB 40 mit Tischklemmen Fixiert
Festool MB 40 mit Vakuum Platte
Festool MB 40 Vakuum Platte von unten
Festool MB 40 Vakuum Platte Schlauchanschluss
Festool MB 40 mit Vakuumplatte und Punpe

Weiterführende Links:

https://www.printables.com/model/1288715-festool-mobile-drilling-attachment-mb-40-accessori

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